Nützliches und Schönes

rund um's Klavier



Lieben Sie Bach? Dann kennen Sie Glenn Gould, den großen Bach-Interpreten des 20. Jahrhunderts. Seine Aufnahmen der Goldberg Variationen von 1954 haben ihn schlagartig weltberühmt gemacht.

Glenn Goulds Sitzposition war extrem tief und er fand keinen passenden Stuhl in den Konzertssälen und Studios vor. So nutze er immer seinen eigenen Klavierstuhl, den ihm sein Vater gebaut hatte und der es ihm ermöglichte, gerade mal 30cm vom Fußboden entfernt zu sitzen, so dass er die Handgelenke auf oder unter der Ebene der Klaviatur behalten konnte. 
Zitat seines Vaters: „Ich versuchte was ziemlich Leichtes an Klappstuhl aufzutreiben und dann von jedem Bein etwas abzusägen, ich machte mir eine Messingklammer, die um jedes Bein herum ging und schraubte sie daran fest, und dann schweißte ich die Hälfte einer Spannschraube an jede Klammer, so dass jedes Bein einzeln eingestellt werden konnte.“  

Dieser besonderen Stuhl steht heute in der Library of Toronto. Der italienische Möbelhersteller Cazzaro hat diesen Stuhl als originalgetreue Replik produziert.

Im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) erhalten Sie diesen Stuhl exklusiv im Pianohaus Zechlin in Ahrensburg bei Hamburg.  

(Sitzhöhe verstellbar, 35-45cm. Höhe der Rückenlehne, 75cm, Breite 45 cm, Tiefe 55 cm.)

Biografische Fakten und Legenden

  • Glenn Herbert Gould, geboren am 25. September 1932 in einem kleinbürgerlichen Einfamilienhausviertel am Rande von Toronto. Goulds Vater, ein Pelzhändler, ist Methodist, seine Mutter, Gesangslehrerin, Presbyterianerin.
  • Mit drei Jahren erste Klavierstunde bei seiner Mutter, mit sechs begleitet er auf der Orgel ein Gesangsduett seiner Eltern, Gelegentliche Auftritte als Chorbegleitung an der Orgel der nahe gelegenen Presbyterianerkirche. 
  • Mit acht Jahren wird er am Konservatorium von Toronto geprüft und erhält die Höchstnote. In der Schule erlebt er, wie ein schwächlicher Kollege verspottet wird. Aus Angst, selbst einmal so behandelt zu werden, schluckt er einige Brausetabletten – der harmlose Anfang seiner lebenslangen Tablettensucht, der er mit fünfzig zum Opfer fallen wird.
  • 1942 Beginn des Orgelunterrichts, ein Jahr später gewinnt er einen Klavierwettbewerb.
  • 1947, mit fünfzehn Jahren, erstes öffentliches Solorecital in Toronto mit Werken von Scarletti, Beethoven, Couperin, Chopin, Liszt und Mendelssohn. 1948 wird er von einer Zeitung als „der größte Pianist Kanadas“ bezeichnet.
  • 1950, Gould ist achtzehn Jahre alt, bringt ihm sein Klavierlehrer Alberto Guerro die Musik Arnold Schönbergs nahe. Erschreibt eine Sonate im Stil des Komponisten. Schönberg und seine Musik werden für ihn zu einem der wichtigsten Bezugspunkten in der Musik des 20. Jahrhunderts. Erste Aufnahmen beim kanadischen Rundfunk, in dessen Studio er sich bald heimisch fühlen sollte.
  • 1952 zieht sich Gould für fast frei Jahre zurück. Er hält sich vorwiegend im Wochenendhaus seiner Eltern auf dem Land auf, wo er unablässig übt.
  • 1955 erste Auftritte in den USA: am 2. Januar in Washington, am 11. Januar in New York. Das New Yorker Debut, bei dem er Bach, Sweelinck, Weber, Gibbons und Berg spielt, wird zum gefeierten Durchbruch. Der Dreiundzwanzigjährige erhält auf der Stelle ein Exklusivvertrag bei der Schallplattenfirma CBS.
  • 1957 als erster nordamerikanischer Pianist in der Sowjetunion. In Moskau spielt er unter anderem Musik der Wiener Schule und verursacht damit einen Skandal.
  • 1958 verletzt er sich bei einem Konzertauftritt am Finger, was seine hypochondrischen Tendenzen verstärkt. Beginn einer allgemeinen Krise. Der Tourneebetrieb setzt ihm zu. Er ist sechsundzwanzig und spricht davon, mit dreißig das Spielen aufzugeben.
  • 1962 Gould ist dreißig. Auf dem Höhepunkt der Karriere gibt er den baldigen Rückzug aus dem Konzertsaal bekannt, den er als Symbol des musikalischen Krämergeistes bezeichnet. Sein letztes Konzert gibt er am 10. April 1964 in Los Angeles mit Bach, Hindemith und Beethovens op. 109.

In einem Interview mit John McClure sagt Glenn Gould 1968 auf die Frage, warum er sich vom Konzertsaal zurück gezogen habe, das Leben eines Konzertpianisten sei scheußlich, eine tote Angelegenheit, und er habe acht, neun unerfreuliche Jahre damit zugebracht. Vielleicht wäre es ja nötig, um ein Käuferpublikum für die Schallplatten zu schaffen. Aber eine Rückkehr aufs Podium wäre für ihn pure Regression.

Um die äußeren biografischen Fakten herum bildeten sich schon zu Goulds Lebzeiten Legenden. Sie machten sich vor allem fest an den Details seiner Erscheinung: Akzidenzien, die zu Wesensmerkmalen hochstilisiert wurden. Der bleiche Sonderling in Mantel, Schal und Handschuhen. Der Sensible, der seinen Klavierstuhl mit den abges



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